Veranstaltungsübersicht
des Auerbacher Synagogenvereins 2015
Alle Veranstaltungen finden in der ehemaligen Synagoge
Bensheim-Auerbach, Bachgasse 28 statt.
Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr.
Rückblicke über die Veranstaltungen der Jahre 2011- 2014 samt Zusatzmaterial:
2011 - 2012 - 2013 - 2014
| Datum |
Thematik |
| 21.01.2015 |
Jahreshauptversammlung |
| 18.02.2015 |
Vortrag "Israel - Staat und Religion". Die Schülerinnen Sonja Peeters und Klara Sweeney berichten über ihre Arbeit |
| 25.03.2015 |
Konzert des "Jerusalem Duo" (Andrey Ariel Tsirlin und Hila Ofek, Geige u. Harfe) |
| 22.04.2015 |
Vortrag von Thilo Figaj: "Die heilige Beerdigungsbruderschaft 1739 im Amte Starkenburg"
|
| 14.05.2015 | Vortrag von Prof. Dr. Daniel Krochmalnik: " ´Das Hohelied´ in der Übertragung von Martin Buber" | | 07.06.2015 | Exkursion zur Jüdischen Gemeinde Mannheim | | 18.06.2015 | Vortrag von Prof. Dr. Christian Wiese: "Martin Buber - Der Prager Kreis und die Folgen des 1. Weltkrieges" | | 09.09.2015 | Vortrag von Mordechay Lewy: "50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen" | | 07.10.2015 | Vortrag von Rabbinerin Elisa Klapheck: "Margarete Susman - Zukunftsvisionen für Juden und Christen" | | 18.11.2015 | Rezitation von Walter und Mathias Renneisen: "Briefwechsel - Empfänger unbekannt" | | 09.12.2015 | Vortrag von Klaus Knoche: "Ausgegrenzt - Ausgebürgert - Ausgelöscht. Jüdische Familien an der Bergstraße" |
Mittwoch,
21. Januar 2015: Jahreshauptversammlung
Wie
in jedem Jahr gab der Vorstand bei der Mitgliederversammlung
einen Überblick über die Aktivitäten des Vereins und legte
Rechenschaft ab über die Finanzen. In diesem Jahr stand auch die
Neuwahl des Vorstandes an. Eine Film/Fotopräsentation erinnerte an den
Besuch der jüdischen Gemeinde aus Amersham und an die Jubiläumsfeierlichkeiten.
Abschließend gab es bei Gebäck und Getränken Gelegenheit zu
Gesprächen und Begegnungen.
Der neue Vorstand des Auerbacher Synagogenvereins: 1. Vorsitzende: Dr. Angelika Köster-Loßack 2. Vorsitzender: Karlheinz Storch Schriftführerin: Gisela Reck Kassenwart: Wolfgang Müller Beisitzer: Dr. Michael Löbl, Hille Krämer, Hannelore Volk, Alfons Schmidt, Heinz Frassinezurück
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Mittwoch,
18. Februar 2015: Vortrag "Israel - Staat und Religion"
Vortrag
von den Schülerinnen Sonja Peeters und Klara Sweeneey über ihre preisgekrönte Arbeit
Für
ihre beeindruckend kenntnisreiche Arbeit hatten die Schülerinnen von
der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung den 2. Preis
erhalten.
Dr.
Angelika Köster-Loßack gab an diesem Abend eine kurze Einführung, bevor beide die Ergebnisse ihrer Arbeit vortrugen, die
anschaulich ergänzt war durch Bildmaterial.
Als
Ziel definierten sie: „Vor dem Hintergrund des Konfliktes mit den
Palästinensern um das Heimatland soll die Bedeutung der Religion in
Israel und die Staatsform aus heutiger Sicht dargestellt werden“.
Es
geht in erster Linie um den Einfluss der Religion auf die Politik,
aber auch auf die private Lebensführung. Schon die Bezeichnung
„jüdischer demokratischer Staat“ zeigt das Problem, nämlich
keine Trennung von Staat und Religion. Die Autorinnen verdeutlichen
es am Ehe- und Scheidungsrecht, bei dem religiöse Gesetze zugleich
staatliche sind, bindend auch für die nichtreligiöse Bevölkerung.
Unstimmigkeiten regeln Rabbinatsgerichte. Noch extremere Beispiele
über die Rolle der Frau enthält das Kapitel über die
ultraorthodoxe Bevölkerungsgruppe, obgleich der Staat seinen Bürgern
Gleichberechtigung ohne Unterschied von Religion, Rasse und
Geschlecht zusichert.
Bei
der Erklärung der Staatsordnung wurden einige Parteien ausführlich
vorgestellt. Zur letzten Wahl waren 34 Parteien angetreten, 12
schafften die 2%-Hürde. Die Bildung von Koalitionen ist daher die
Regel. Aber auch oberhalb von Parteien und Parlament wacht das
orthodoxe Oberrabbinat über die Einhaltung der
Religionsvorschriften.
Auf
der Grundlage all dieser Erkenntnisse schloss sich noch eine
Diskussion über die aktuellen Aussichten auf eine Wiederaufnahme des
Friedensprozesses nach den Märzwahlen an.
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Mittwoch,
25. März 2015: Konzert des "Jerusalem Duo" (Hila Ofek, Harfe, André Tsirlin, Saxophon) Werke aus Klassik und israelischer Folkore
Das Duo versteht sich als eine
neue Stimme in der Welt der klassischen Kammermusik. Im
Zusammentreffen eines der ältesten und eines der jüngsten
Instrumente der Musikgeschichte eröffnet sich ein bislang selten
gehörtes Klangerlebnis, denn in der von den beiden Musikern
dargebotenen Kombination erklingen Harfe und Saxophon in schönster
Harmonie.
Von kenntnisreicher und
unterhaltsamer Moderation begleitet, nehmen Hila Ofek und André
Tsirlin das Publikum mit auf eine musikalische Reise, die Klassik und
jiddische Lieder miteinander verbindet. Musik wird zur universalen,
völkerverständigenden Sprache der Seele, zu einer Ausdrucksform, die
sich jedem Zuhörer ganz unmittelbar erschließt.
Hila Ofek ist 1990 in Tel Aviv
geboren, André Tsirlin 1988 in Irkutsk. Beide haben an der Jerusalem
Academy of Music & Dance studiert, nahmen an Meisterkursen teil
und haben zahlreiche Preise errungen, u.a. beim Israelischen
Harfenwettbewerb und dem Israelischen Saxophonwettbewerb. Als
Solistin trat Hila Ofek u. a. mit Giora Feidman und mit dem Jerusalem
Symphony Orchestra auf und spielte 2011 mit den Berliner
Philharmonikern. An der Hochschule für Musik in Frankfurt erwirbt
sie zurzeit den Master-Abschluss. André Tsirlin gewann ein
Stipendium der America-Israel Culture Foundation und trat als Solist
mit mehreren Orchestern auf, darunter dem St. Petersburger
Kammerorchester und dem Italian Saxophone Orchestra.
Als Solisten und als Duo
konzertieren sie inzwischen in ganz Europa, Israel und Russland. zurück
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Mittwoch,
22. April 2015: Vortrag "Die heilige Beerdigungsbruderschaft 1739 im Amte Starkenburg". Referent: Thilo Figaj.
Der
Jüdische Wohltätigkeitsverein im Amte Starkenburg mit Sitz in
Lorsch
Das
Netz jüdischer Wohltätigkeit war zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor
allem in den großen Städten eng geknüpft. So zählte 1911 allein
die Stadt Frankfurt 113 Vereine, Stiftungen und Anstalten. Aber auch
auf dem Lande im Großherzogtum Hessen, zu dem Frankfurt nicht
zählte, widmeten sich zu dieser Zeit 134 jüdische Vereine
vornehmlich der Wohltätigkeit, also sozialen Zwecken, wie man heute
sagen würde.
Eine
besondere Stellung in unserer Region nahm die bereits 1739 in Lorsch
gegründete „Chevra Kadischa“ ein, die Heilige
Wohltätigkeitsbrüderschaft. Nach dem seit 1609 in Worms bestehenden
„Gemilus Chesed“, dem Männer- und Frauenverein, war sie der
älteste Verein dieser Art im späteren Großherzogtum Hessen.
Die
Stadt Worms, zusammen mit Mainz und Speyer die Wiege des
askenasischen, des deutschen Judentums, hatte 1615 ihre jüdischen
Bürger vertrieben. Der Aufruhr war eine indirekte Folge des
„Fettmilch“-Aufstandes von Frankfurt. Hier hatte das Bürgertum
gegen die Patrizier rebelliert, die Austreibung der Juden, die –
wieder einmal – an allem Schuld gewesen sein sollten, traf die
schwächste Gruppe. Der Kaiser, unterstützt vom Hessischen
Landgrafen und dem Kurmainzer Kirchenstaat, restituierte ihre
Stellung bald wieder und die Juden kamen zurück. Ähnlich verhielt
es sich im Erzstift Worms, doch waren viele Juden über den Rhein ins
Hessische geflüchtet. Hier in Gernsheim, wo einige schon mehrmals
versucht hatten sich niederzulassen, starb ihr Rabbiner Samuel
Bacharach. Einen Begräbnisplatz für ihn fand man schließlich in
Alsbach. Einige Juden blieben rechts des Rheines, andere kehrten
zurück in die Stadt.
Nun
brach der 30-jährige Krieg aus. In seiner Folge zerbrachen die alten
Gesellschaftsstrukturen. Die Juden verließen ihre Jahrhunderte alten
städtischen Ghettos und zogen mit ihren Sippen in Hessisches und
auch Kurmainzer Gebiet, das die vormals judenfeindliche Kurpfalz nun
an das Erzbistum zurückgeben musste. Ein besonderer Grund für die
jüdische Besiedlung an der Bergstraße, durch die ja die Grenze
zwischen Hessen und Mainz verlief, war die Anlage des Alsbacher
Begräbnisplatzes. Seine Verfügbarkeit für die hessischen Juden,
bis hinunter nach Auerbach war kein Problem. Schwieriger war es für
Juden in Kurmainz, in Heppenheim und Bensheim, in Lorsch und Biblis.
Sie mussten eine Steuer auf ihre Toten bezahlen, wenn sie z.B. über
die Wattenheimer Brücke in hessisches Gebiet zum einzig verfügbaren
Begräbnisplatz Alsbach kamen. Weil viele arme Juden der heiligen
Pflicht ordnungsgemäßer Bestattung nicht mehr nachgekommen waren,
aber auch zur Kranken- und Altenpflege, gründeten sie in Lorsch
einen Verein zur gegenseitigen Unterstützung.
Aus
diesem Verein ging 1812 die „Gesellschaft zur Ausstattung der
Bräute“ hervor. Nach dem Erlöschen des Kirchenstaates waren die
Kurmainzer Gebiete zum Großherzogtum gekommen. Die sozialen Aufgaben
des Lorscher Vereins wurden vielfältiger, die Gemeinschaft wuchs um
Mitglieder auch aus den Orten der vormaligen hessischen
Landgrafschaft, wie z.B. aus Auerbach.
Es
ist dem aus Lorsch gebürtigen Rabbiner Dr. Moritz Mainzer zu
verdanken, dass die Geschichte des Vereins und ihrer Mitglieder nicht
in Vergessenheit geriet. Der Lehrer aus Frankfurt schrieb sie 1914
auf. Er nutzte die damals noch vorhandenen Unterlagen und lieferte
mit Namenslisten und Daten einen heute unschätzbar wertvollen
Beitrag zur Erforschung der jüdischen Familiengeschichte an der
Bergstraße. Bei der Ausplünderung und Brandschatzung der Lorscher
Synagoge sind die Originalzeugnisse für immer verloren gegangen.
Moritz Mainzer wurde selbst unmittelbares Opfer der Pogrome im
November 1938.
Anhand
seiner „Gedenkblätter zur Erinnerung an das 175-jährige Bestehen
des Wohltätigkeitsvereins im ehemaligen Amt Starkenburg“ wurde im
Vortrag des Lorschers Thilo Figaj das Leben und Sterben in unseren
kleinen jüdischen Landgemeinden skizziert, wie es für diese Zeit
typisch war. „Im Mittelpunkt alles Denkens und Schaffens unserer
Ahnen stand das innere jüdische Leben, das echter Menschenliebe und
edlem Wohltun geweiht war,“ hieß es 1916 in einer Besprechung von
Mainzers Schrift im „Frankfurter Israelitischen Familienblatt“. zurück
zur Übersicht Donnerstag,
14. Mai 2015Vortrag "Shir ha Shirim, ´Das Hohelied´ in der Übertragung Martin Bubers"
Vortrag
von Prof. Dr.
Dr. h. c. Daniel Krochmalnik, geb.: 19. April 1956 in München, Studium der
Philosophie und Judaistik in München, 1988 Promotion; 1990 Dozent für jüdische
Philosophie und Geistesgeschichte an der Hochschule für Jüdische Studien in
Heidelberg. 1999 Habilitation an der Karl-Ruprecht Universität Heidelberg, Von wegen: Judentum = Gesetzesreligion, Christentum =
Religion der Liebe. Das Hohe Lied der Liebe steht im Alten Testament. Noch
Goethe, der zweifellos etwas vom Thema verstand und das Hohe Lied übersetzt hat,
meinte, es sei das „Zarteste und Unnachahmlichste, was uns von Ausdruck
leidenschaftlicher und anmutiger Liebe zugekommen ist“. Aber, was hat diese
Liebesdichtung, in der der Name Gottes nicht eigens vorkommt, in der Bibel zu
suchen? Das biblische Buch hat in der jüdischen Tradition keineswegs ein
kümmerliches Dasein gefristet. Im Talmud steht, wenn alle Bücher in der Heiligen
Schrift heilig sind, dann ist das Hohe Lied das Allerheiligste. Es gehört zu den
Rollen, die regelmäßig im Gottesdienst gelesen wurden und seine erotischen
Metaphern sind in vielen Gebeten eingegangen. Wie ist das Hohelied in der
jüdischen Tradition ausgelegt worden? Wie stehen die modernen Aufassungen und
Übersetzungen zum traditionellen Verständnis? Zur 50. Jahrzeit des
Religionsphilosophen und Bibelübersetzers Martin Buber sollte ein besonderes
Augenmerk auf seine Hohelied-Übersetzung gelegt werden. zurück
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Sonntag, 07. Juni 2015: Exkursion zur Mannheimer jüdischen Gemeinde, ihrer Synagoge und dem Friedhof Abfahrt Auerbach mit dem Bus, Bürgerhaus Kronepark kurzer Halt am Bahnhof Bensheim zum Zusteigen Führung in der Mannheimer Synagoge Mittagessen (Café Journal am Marktplatz) Fahrt zum Friedhof in Mannheim-Feudenheim Führung auf dem Friedhof
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Donnerstag, 18.Juni 2015: Vortrag "Martin Buber - Der Prager Kreis und die Folgen des 1. Weltkrieges"
Referent: Prof. Dr. Christian Wiese
Zu
Beginn des Ersten Weltkrieges mit den geschichtlichen Umwälzungen
der Zeit hoffte Martin Buber wie viele andere auf eine verstärkte
Integration der jüdischen Minderheit. Zugleich sah er die Chance zu
einem wachsenden jüdischen nationalen „Gemeinschaftsgefühl“.
Der Vortrag skizzierte zunächst Bubers Haltung zum Krieg und widmete
sich dann vor allem der Kriegserfahrung dreier aus dem Prager
Judentum stammender zionistischer Intellektueller. Diese fühlten
sich Buber seit seinen berühmten „Reden über das Judentum“, die
er um 1911 in Prag gehalten hatte, als seine Schüler verbunden. Es
sind dies der Philosoph Hugo Schmuel Bergman, der Publizist Robert
Weltsch (1919-1938 in Berlin Herausgeber der „Jüdischen
Rundschau“) und der Historiker Hans Kohn. Alle drei setzten sich
mit den Folgen des europäischen Nationalismus auseinander und
unterstützten die politischen Ziele des Vereins Brit Schalom
(Friedensbund). Dieser Verein strebte ab 1925 in Palästina einen
binationalen Staat und einen friedlichen Ausgleich mit der arabischen
Bevölkerung an. Die existenzielle Konfrontation mit dem Krieg führte
bei ihnen zu recht unterschiedlichen persönlichen Entscheidungen mit
Blick auf den Zionismus: Während sich Kohn vom jüdischen
Nationalismus abwandte und 1933 in die USA auswanderte, flüchtete
Weltsch 1938 nach Palästina, verließ es aber schon vor der
Staatsgründung Israels. Nur Bergman blieb als Philosophieprofessor
in Jerusalem und versuchte dort die Ideale von Bubers Konzept eines
ethischen Nationalismus in der israelischen Gesellschaft
wachzuhalten.
Christian
Wiese ist seit 2010 Inhaber der Martin-Buber-Professur für jüdische
Religionsphilosophie an der Goethe–Universität Frankfurt/Main.
Vorher lehrte er an Universitäten in Sussex, Montreal und Dublin.
Seine Forschungen konzentrieren sich auf jüdische Geistes- und
Kulturgeschichte der Moderne, die Geschichte
jüdisch-christlicher Beziehungen und die des Antisemitismus. zurück
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Foto des Referenten von Gerlinde Pfirsching
Vor
50 Jahren, im Jahre 1965, 20 Jahre nach der Shoah und dem Ende des
zweiten Weltkrieges, wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen
Deutschland und Israel endlich aufgenommen. Widerstände von beiden
Seiten, die eine frühere Aufnahme offizieller Beziehungen
verhinderten, waren sowohl innenpolitischer, als auch
außenpolitischer Natur. Die Entwicklung der Beziehungen nach 1965
soll aber nicht nur aus der Regierungsperspektive und aus der Sicht
der Parlamente analysiert werden, denn vielfältige
zivilgesellschaftliche Kontakte haben die letzten 50 Jahre intensiv
geprägt.
Mordechay Lewy ist ein genauer Kenner und klarer Analytiker
dieser historischen Entwicklung, da er als Diplomat des Staates
Israel diese selbst mitgestaltet hat. Zwischen 2000 und 2004 war er
israelischer Gesandter an der Botschaft in Berlin, von 2008 bis 2012
Botschafter beim Heiligen Stuhl im Vatikan.
Wie
sich die Themenkomplexe Schuld und Versöhnung, sowie Staatsräson
und Erinnerung auf die staatlichen und gesellschaftlichen Beziehungen
zwischen Israelis und Deutschen auswirken, ist von zentraler
Bedeutung. Insbesondere um die Zukunft dieser Beziehungen in der
dramatisch zugespitzten politischen Konfliktlage im Nahen Osten ging es bei dem Vortrag und der anschließenden Diskussion. Diese
Zukunft wird durch die Wirksamkeit der Erinnerung an die Shoah und
die Einsicht in die daraus erwachsende Verantwortung auf deutscher
Seite bestimmt. zurück
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Ihr
Thema: „Margarete Susman – Zukunftsvisionen für Juden und
Christen“. Sie
wird dabei Ihre neueste Buchveröffentlichung vorstellen, eine
umfassende Werkbiographie der jüdischen Religionsphilosophin.
Foto der Referentin von Gerlinde Pfirsching
In der Verlagsankündigung
heißt es:
Margarete
Susman (1872–1966) gehört zu den großen Vordenkern der jüdischen
Renaissance im frühen 20. Jahrhundert. Ihre Auseinandersetzung mit
dem Judentum richtet sich vor allem auch auf die Bedeutung, die
Religion für die Politik haben kann.
Dr. Elisa Klapheck setzt sich
erstmals und umfassend mit dem Gesamtwerk Susmans auseinander. Dabei
zeichnet sie die geistige Biographie einer zu Unrecht vergessenen
religiösen Denkerin und Philosophin nach, die in einer Reihe mit
ihren Freunden Georg Simmel, Martin Buber, Gustav Landauer, Ernst
Bloch oder Franz Rosenzweig zu nennen ist. Susmans Gedanken zur
geistigen Bedeutung des Judentums für Europa, über die Revolution,
die Frauenemanzipation, das Verhältnis von Religion und Staat und
nicht zuletzt über die Beziehung zwischen Judentum und Christentum
enthalten wichtige Anstöße für aktuelle Diskussionen.“
Die Referentin ist Rabbinerin
der liberalen jüdischen Gemeinde in Frankfurt a.M. und war schon
einige Male zu Gast beim Auerbacher Verein, zuletzt mit einem Vortrag
über Wirtschaftsethik aus jüdischer Sicht. zurück
zur Übersicht Mittwoch, 18.November 2015, 19.30 Uhr: Rezitation "Briefwechsel - Empfänger unbekannnt"
Vorgetragen von Walter Renneisen und Sohn Mathias Renneisen
Das Stück basiert auf dem Briefdrama der Amerikanerin Kressmann Taylor, das 1938 als Buch erschien - erfunden, aber aus dem Leben gegriffen, wie die Autorin damals bekundete. Es ist ein schriftlicher Dialog zwischen zwei Freunden am Anfang der 1930er Jahre: der eine ist Jude, in Amerika lebend, während der andere sich in Deutschland dem Nationalsozialismus anschließt, bis hin zum ideologischen Fanatismus.
Im Verlauf der Ereignisse wird nicht nur das Ende der Freundschaft geschildert, sondern es kommt in dramatischer Zuspitzung zu niederträchtigem Verrat auf deutscher Seite, gefolgt von eiskalter Vergeltung, die mit gleicher Münze heimzahlt.
Es ist "ein Lehrstück über die Vergänglichkeit menschlicher Werte".
Nachwort zu dem 1938 von Kressmann Taylor geschriebenen Buch "Empfänger unbekannt" spricht Elke Heidenreich:
"Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen. Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zu viel, keines fehlt.... Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. `Empfänger unbekannt` sollte Schullektüre werden."
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zur Übersicht Mittwoch, 09. Dezember 2015, 19.30 Uhr: Vortrag "Ausgegrenzt - Ausgebürgert - Ausgelöscht. Jüdische Familien an der Bergstraße"
Referent: Oberstudiendirektor a.D. Klaus Knoche, Jugenheim
Herr Klaus Knoche, zuletzt Schulleiter am Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim, war Mitbegründer des Arbeitskreises „Runder Tisch – Wider das Vergessen“ in Seeheim-Jugenheim, der Nachforschungen betreibt über die früher ortsansässigen Juden und ihr Schicksal in der NS-Zeit.
Am Beispiel zweier Familien schildert Klaus Knoche, wie nach 1933 der Antisemitismus unverhüllt auftrat und immer schlimmere Formen annahm: In Seeheim lebte die Familie Rosenfeld, die ihr Geschäft schließen und die zwei Söhne aus der Schule nehmen musste, außerdem ein Familienmitglied durch den Euthanasiemord in Hadamar verlor. In Jugenheim wohnte die Arztfamilie Brodnitz mit drei Kindern. Durch die „Judenvermögensabgabe“ wurde sie teilweise ihres Vermögens beraubt. Fast alle Jüngeren konnten auswandern, die Eltern und eine Tochter sowie die Witwe Rosenfeld überlebten die organisierte Vernichtung nicht.
Im Vortrag werden die Ereignisse ausführlich geschildert. Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft wird nachvollziehbar, auch wie schwierig es war, die Flucht oder die Aufnahme in einen Kindertransport zu organisieren. Klar zeigt sich, dass die deutsche Ärzteschaft ebenso wie die Justiz große Bereitschaft zeigten, das nationalsozialistische Gedankengut in konkretes Handeln bzw. in Gesetze und Verordnungen umzusetzen. Zur Sprache kommt auch, welchen Erfolg die Nationalsozialisten in einem Dorf wie Seeheim hatten, was in der Pogromnacht konkret geschah, wer die Täter waren und wie es noch in den 1990er Jahren schwierig war, über die Verbrechen zu sprechen.
Anschaulich wird der Vortrag durch Familienbilder, die von den Nachfahren der Brodnitz und Rosenfelds in England und den USA beigesteuert wurden, ergänzt durch vielfältiges Bildmaterial zur Zeitgeschichte.
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